Perfekte Beziehung – Liebe die Macken am Anderen. Sie sind auch deine!

Manchmal ist es so mit der Liebe: Wir verlieben uns in einen waghalsigen Weltenbummler. Und murren irgendwann über sein Reisebudget. Oder sind hingerissen von der zielstrebigen Studentin.

Doch später konkurriert ihr beruflicher Ehrgeiz mit der Familienplanung. – Wie kommt es, dass das, was uns einst verzauberte in der Reifephase einer Liebesbeziehung für Frust sorgt? Und vor allem: was hat das mit uns selber zu tun?

Es waren seine Abenteuerlust, seine Spontanität und sein freakiger VW-Bus. Damit hat Rasmus vor fast 20 Jahren Sara’s Herz im Wirbelsturm erobert. Seine Leichtigkeit und das Verrücktsein ließ sie ganz neue Seiten an sich entdecken.

Sara hatte bis dahin den Westerwald und die Ostsee gekannt, wollte wie ihr Vater Lehrerin werden. Rasmus fühlte sich gleich bei Sara „zuhause“; angekommen irgendwie. Ihre Klarheit und Zielstrebigkeit halfen ihm, sich zu sortieren, das Kunststudium endlich zu Ende zu bringen.

Und ihm gefiel, dass sie mit ihm reiste und dafür sorgte, dass die Reisekasse bis zur Rückkehr aushielt. Und während sie die Routen verlässlich plante, konnte er auf Fotosafari gehen.

Gegensätze ziehen sich an. Heißt es. Wie zwei Hälften, die ein Ganzes ergeben.

Sara liebt ihren Rasmus. Irgendwie. Doch sie war irgendwann genervt von seinem Egoismus.

Rasmus liebt seine Sara. Immer noch. Doch er fühlte sich zunehmend eingeengt.

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Die beiden hätten sich womöglich verloren, wenn sie nicht etwas Wesentliches begriffen hätten!

Was ist passiert?

Wir verurteilen am Anderen nur uns selbst

Lass mich ganz kurz mit etwas Theorie beginnen: Das sogenannte Riemann-Thomann-Modell beschreibt Grundausrichtungen des Menschen, die einen direkten Einfluss auf sein Kommunikations- und Beziehungsverhalten haben.

Diese haben ihren Ursprung in Ängsten und manifestieren sich in Werten. Friedemann Schulz-von-Thun (ein sehr anerkannter Kommunikationspsychologe) nennt die Grundausrichtungen „Himmelsrichtungen der Seele“.



Konkret: Jemand tendiert eher zu Beständigkeit als zu Spontanität um sich wohl zu fühlen und ist im Kontakt mit Anderen sehr nah und weniger abgrenzend. Also ein Nähe liebender Beziehungsmensch wie Sara.

Ihre Wertvorstellung lautet: Wer wirklich liebt ist zur Ehe bereit. Durch Rasmus‘ Haltung, sich in Beziehungen eher freigeistig und unverbindlicher zu zeigen, fühlt sie sich oft verunsichert. Auch wertete sie seine Haltung eher ab (Wer sein eigenes Ding machen will, liebt nicht wirklich).

Gleichwohl fand sie seinen Freigeist schon damals ungeheuer anziehend und faszinierend; er weckt eine tiefe Sehnsucht in ihr. Rasmus hat scheinbar ihre Angst vor Selbstwerdung überwunden, daher geht sie damit in Resonanz.

Spinnen wir den Faden weiter: Sara fand Rasmus‘ Reiselust toll, solange er mit ihr zusammenreiste.

Und sie wünschte sich nach ein paar Jahren sehnlichst einen Heiratsantrag. Beides sichert und bestätigt in ihrer Wertewelt eine Liebesverbindung. Sie äusserte erst versteckt ihre Wünsche, hat dann deutliche Zeichen gesetzt.

Und oft still geweint, wenn er wieder mal ein Wochenende ohne sie mit seinem VW-Bus losfuhr. Je länger der Freigeist Rasmus den Heiratsantrag hinauszögerte (er wollte ja irgendwann mal heiraten, aber das Fordern war unangenehm und die Entscheidung sowie der Zeitpunkt sollten ihm entsprechen), desto stärker wurde Sara’s Wunsch nach Verschmelzung, je größer die Angst vor seinen Alleingängen.

Aber genau die brauchte Rasmus in dieser schwierigen Phase noch mehr als sonst.

Friedemann Schulz-von-Thun hat diese Wirkmechanismen, dieses Dilemma, im sogenannten Werte-und-Entwicklungsquadrat schön visualisiert. Und so sieht das bei Sara und Rasmus aus:

Fast hätten die zwei sich noch mehr voneinander weg bewegt. Denn das passiert in Konfliktsituationen – das eigene Grundbedürfnis verstärkt sich und sein Gegenteil wird als Unwert abgestempelt (Du klammerst/Du denkst nur an dich).

Doch auf einem gemeinsamen Roadtrip durch Frankreich schummelte sich Nachwuchs ein.

Was uns die Macken des Anderen „lehren“

Eine ganze Weile wurden diese Minenfelder dann vom Wachsen und Gedeihen der Familie, dem Entwickeln der Karrieren und dem Alltagsmanagement überlagert. Mal krachte es deshalb; die beiden fanden aber immer wieder gut zusammen.

Das gemeinsame Reisen, auch mit 3 Kindern später, bescherte ihnen immer wieder Leichtigkeit und ihre Verbindung aus unbeschwerten Zeiten. In der Auseinandersetzung miteinander fingen sie Stück für Stück an zu verstehen, dass die „Macken“ des Anderen tatsächlich offenbaren, was sie vor vielen Jahren so anziehend fanden.

Und dass sie ein Zeichen sind für genau die Wesenszüge, in denen sie jeweils selber so ungeübt sind.

Rasmus beispielsweise will seine Bedürfnisse nach Auszeiten ohne Sara und die Kids künftig akzeptabler einfädeln. Und akzeptieren, dass Sara, die an den Wochenenden oft Klausuren korrigieren muss, nicht immer spontan wegfahren kann.

Deswegen ist sie nicht die Unspontane, die immer alles planen muss, sondern die Verantwortungsbewusste, die planen möchte.

Er bemüht sich auch darum, mit ihr gemeinsam ein passendes Wochenende zu vereinbaren, statt fast trotzig allein in den VW-Bus zu steigen. Sara dagegen findet Gefallen daran, mit ihren Sportfreunden einmal im Jahr eine Woche ohne Rasmus und die Kinder zu verreisen.

Und sie unterstellt Rasmus nicht mehr, er würde alleine verreisen wollen und andere Entscheidungen im Alleingang treffen, weil sie ihm nicht wertvoll sei. Vielmehr betrachtet sie seine überraschenden Einfälle als Lebenskunst.


zum Weiterlesen:

Wir passen nicht zusammen! Jedoch: Gegensätze ziehen sich an – Ein Dilemma vieler Beziehungen, denn Gleich und Gleich gesellt sich gern, wäre einfacher!


Sehen, was gut läuft. Und mehr davon!

Die Macken des Anderen sind oft Stärken, die wir selber nicht haben. Zumindest in weniger ausgeprägter Form.

Erst wenn wir das begreifen, werden Gegensätze zu einem nährenden Ganzen. Im Falle von Sara und Rasmus läuft das mittlerweile so:

Rasmus schätzt und liebt Saras Engagement, die Familie immer wieder zusammenzubringen. Jetzt, da zwei der drei Kinder schon andernorts studieren, organisiert sie regelmäßige Treffen zum Kochen und Quatschen.

Und einmal im Jahr verreisen sogar alle zusammen. Ihr Bedürfnis nach Zusammengehörigkeit schweißt die Familie zusammen.

Und Sara lässt sich inzwischen gerne von Rasmus zu spontanen Städtetrips motivieren (als erfahrene Lehrerin braucht sie mittlerweile weniger Zeit) und freut sich an seinen fantastischen Fotos, die er dann rege mit den Kindern teilt.

Wenn sie keine Lust hat, dann ist er nicht böse. Er fährt auch mal ohne sie, während sie mit ihren Freundinnen oder Kids gemütliche Verabredungen an dem Wochenende trifft.

Eine reife Liebe braucht Disziplin und Tanz

Die zwei in dieser Geschichte, die nur halbwegs erfunden ist, haben gute Chancen miteinander steinalt zu werden.

Jetzt beginnt ihre Phase des Aufblühens, des Erwachens und Enstaubens. Denn die Karrieren sind etabliert, die Kinder fast aus dem Haus. Sie werden quasi zurückgeworfen auf ihre Paarbeziehung.

Da zeigt sich, was das gemeinsame Fundament ist, was man darauf aufgebaut hat und welchen Wert es tatsächlich hat.

Es ist spannend auf die Frage „Was ist es, das mich damals an dir so begeistert hat“ Antworten zu finden. Und ist es nicht fast wieder aufregend, sich nochmals die gemeinsame Zukunft auszumalen?

Die, die noch bleibt. Ohne Kinder im Haus. In einem fertigen Haus oder einer zu großen Wohnung. Wie will man seine Abende, die ruhigen Sonntage und Urlaube verbringen?

Und welche Rolle möchte man füreinander spielen? Kennt man sich wirklich in- und auswendig oder glaubt es nur? Wie kommt das Staunen übereinander zurück?

Beziehung und Liebe, die einen Selbstzweck haben, die sein dürfen und nicht „mehr müssen“ (viele halten zusammen der Kinder oder der gemeinsamen Firma wegen zum Beispiel), braucht Pflege. Und Spielerisches.

Das ist eine Entscheidung, die zwei Menschen treffen, sich miteinander und umeinander zu kümmern.

Verbindlich.

Selbstbestimmt.

Sara mag das inzwischen – freier zu sein. Und Rasmus mag dieses Gefühl der Verbundenheit mit seiner Sara. Meistens können sie die Macken des Anderen anlächeln. Das ist doch was!

Wie geht ihr mit euren Macken um? Was habt ihr voneinander übereinander gelernt? Ich bin gespannt auf eure Geschichten.


amazingtimesDie Autorin

Cornelia Katinka Lütge ist seit über 10 Jahren Business und Karriere Coach, Schreiberin bei ohfamoos.com, seit gut 20 Jahren mit dem Vater ihrer zwei pubertierenden Töchter zusammen.

Verheiratet ist sie so: Sie versucht sich immer aufs Neue, lacht und streitet stets für die große Hoffnung: für immer! Sie beobachtet das Leben und die Menschen darin intensiv, zieht inspirierende Schlüsse daraus und versucht stets, jedem Tag das Beste abzugewinnen.

Jüngst brachte sie mit AMAZING TIMES eine Herzenssache in die Welt. Gemeinsam mit ihrem Coach-Kollegen, einer Fotografin und Köchin veranstaltet sie Retreats für mehr vom ich und wir. Dort widmen Paare, Frauen und Singles in der Lebensmitte sich ihrem inneren Kompass. Die kommende März-Auszeit für gestandene Paare steht unterm dem guten Stern: „Kommt als Paar, geht als Lovers“.

Willkommen, sehr herzlich, im wunderschönen Gutshaus Lexow in Mecklenburg Vorpommern!


PS: Glückliche Beziehungen sind keine Glückssache!

Foto: Unsplash: Taylor I. Spurgeon und Pablo Heimplatz, privat