Partnerschaft

Partnerschaft: Warum Liebe Herausforderungen braucht

Eine befriedigende Partnerschaft zu leben ist für viele Menschen ein wichtiges Anliegen. Dabei werden nicht immer alle Erwartungen die man mit dem Eingehen einer Partnerschaft verbindet erfüllt, was oft zu Krisen innerhalb der Beziehung führt.

Hier erfahren Sie warum dies vor allem ein Problem der heutigen Zeit ist und wie Sie diese Krisen zu Ihrem Vorteil nutzen können.

Liebe oder Gewohnheit?

Vielleicht ging es Ihnen auch schon so, dass Sie sich gefragt haben, ob Sie wirklich die Beziehung führen, die Sie führen wollen, ob Sie mit dem Partner/der Partnerin aus Liebe zusammen sind, oder ob vielmehr Verpflichtung, Gewohnheit oder Bequemlichkeit dahinterstecken.

Sich mit Fragen wie diesen auseinander setzen zu können ist ein Luxus der heutigen Zeit, in der die individuelle Entwicklung und Verwirklichung stärker im Fokus stehen, als dies in früheren Generationen der Fall war.

Gesellschaftliche Veränderung – Freiheit und Herausforderung

Früher waren Lebensformen und Lebensstil viel stärker, beispielsweise durch Schichtzugehörigkeit oder Geschlecht, vorgegeben und liessen wenig Spielraum für persönliche Entfaltung.

Der rasche soziale Wandel und die hohe Mobilität und Beschleunigung des Lebens die wir heute erleben bringt unter anderem mit sich, dass wir zwischen traditionellen und progressiven Lebensformen aus einer Vielfalt von Varianten auswählen können.

Wir haben heute die Freiheit, die Form von Liebesbeziehung zu leben, die uns entspricht! Mit dem Wandel der Geschlechterrollen ergeben sich neue Möglichkeiten (z.B. der Zugang zu Bildung und Karrierechancen für Frauen oder neue Formen die Männerrolle zu leben) aber auch neue Herausforderungen (beispielsweise die Doppelbelastung als berufstätige Mutter).

Was bedeutet das für die Paarbeziehung?

Nicht nur die Einzelperson kann sich ihr Leben entsprechend ihren Vorstellungen gestalten. Auch ein Paar kann sich eine für beide stimmige Lebenswelt aufbauen und eine gemeinsame, individuelle Paarbiographie schreiben.

Dabei beeinflussen sich die Partner in ihrer jeweiligen Entwicklung gegenseitig. Die Freiheit, aber auch Herausforderung besteht darin, Raum zu füllen welcher früheren Generationen nicht zur Verfügung stand. Durch den Wegfall vorgegebener Strukturen und Modelle kann und muss Beziehung laufend neu verhandelt und gestaltet werden.

Rosmarie Welter-Enderlin (Welter-Enderlin: „Paare-Leidenschaft und lange Weile“, 1992) schreibt dazu: „Wenn Liebe verhandelbar wird, ergeben sich Möglichkeiten, von denen die meisten Paare aus älteren Generationen nicht zu träumen wagten, weil sie vor lauter Arbeit und Existenzkampf gar nicht dazu kamen, sich zu überlegen, wie sie ihr privates Leben gestalten wollten“.

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Die Erwartungen an eine Beziehung haben sich verändert und sind heute stärker auf Erfüllung, Zufriedenheit und Glück ausgerichtet.

Krise als Chance

Angesichts der oben nur kurz angerissenen neuen Herausforderungen für Männer und Frauen erscheint nachvollziehbar, dass sich Paare in den verschiedenen Beziehungsphasen nach der ersten Verliebtheit, in der der Partner/die Partnerin durch die oft zitierte „rosa Brille“ wahrgenommen wird, mit Krisen konfrontiert sehen.

Oftmals erfolgt die Trennung, weil die Beziehung den Ansprüchen an Zufriedenheit nicht mehr gerecht wird. Krisen gehören jedoch nicht nur zu einer Beziehung, sie enthalten die Chance zu Veränderung und Neuorientierung und damit gemeinsamem Wachstum.

Wie kann das Gelingen?

Es ist ganz natürlich, dass Partner sich innerhalb einer Paarbeziehung gegenseitig in ihrer jeweiligen Entwicklung beeinflussen. Es ist jedoch ein wesentlicher Unterschied, ob Sie sich vom Partner/ von der Partnerin Unterstützung bei der eigenen Entwicklung erhoffen oder ob Sie von ihm/von ihr erwarten, dass er/sie diese für Sie übernimmt.

Ihren Partner/Ihre Partnerin für das eigene Glück verantwortlich zu machen, muss zwangsläufig in Enttäuschung enden. Ein Partner/eine Partnerin, der/die sich ängstlich anklammert oder anklagend fordert ist zudem auf Dauer unattraktiv, sowohl für sich selbst als auch für das Gegenüber.

Es kann jedoch ein grosser Gewinn für die Beziehung sein, wenn beide sich mit sich selbst auseinander setzen. Indem Sie sich beispielsweise mit eigenen Verhaltensmustern und mit der Frage, wie diese zustande gekommen sind, beschäftigen, wird es Ihnen möglich sein, künftig in bestimmten Situationen anders zu reagieren.

Dadurch wird die bisherige Dynamik der Paarbeziehung verändert, da nun Ihrem Partner/ Ihrer Partnerin im Gegenzug auch andere Verhaltensweisen möglich sind.

Die Verantwortung für das eigene Glück zu übernehmen kann anstrengend sein. Ist es nicht leichter den Partner/die Partnerin dafür verantwortlich zu machen, dass man für die Beziehung eigene Hobbies aufgegeben hat, anstatt sich einzugestehen, dass man einfach zu bequem war, diese weiter zu pflegen oder kein Interesse mehr dafür aufgebracht hat?

Wir meinen, dass die Mühe, die eigene Entwicklung in die Hand zu nehmen, sich lohnt! Indem Sie sich selbst entwickeln, wachsen Sie gemeinsam und indem Sie gemeinsam wachsen, wird jeder für sich reicher!

Wie kann das aussehen?

Hier drei Tipps, die Sie für Ihre Beziehung nutzen können.

  • Bleiben Sie miteinander im Gespräch. Tauschen Sie sich über Wünsche, Ängste, Sorgen aus.
  • Entwickeln Sie eigene Interessen, denen Sie für sich allein nachgehen und gestehen Sie Ihrem Partner/ihrer Partnerin das Gleiche zu.
  • Pflegen Sie gemeinsame Projekte, erleben Sie gemeinsam Neues.

Ihr

Peter Michalik


Foto: © osmanpek – Fotolia.com

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