Zuhören: Wenn der Körper was anderes sagt als die Worte

ZuhörenKennen Sie das? Jemand erzählt Ihnen etwas oder berichtet von seinem Befinden und Sie haben beim Zuhören das Gefühl irgendetwas ist seltsam oder stimmt nicht. Sie können aber nicht sagen was es ist. Es ist diffus, nicht greifbar und doch nehmen wir es wahr. Beim bewussten Hinsehen lässt sich feststellen, dass das Zusammenspiel zwischen Worte und Körper nicht stimmig ist. Dadurch wirkt das Gesagte nicht glaubwürdig. Warum ist das so? Warum sprechen der Körper und die Worte manchmal eine andere Sprache? Welche Auswirkungen kann das auf Ihre Beziehung zum Erzählenden haben? Hier einige Antworten.

 

Mehr als nur Worte!

Wie gesagt, das alles läuft in der Regel unbewusst ab. Sie als Zuhörer merken nur, dass etwas nicht stimmig ist. Eventuell haben Sie Schwierigkeiten dem Gesagten zu folgen und wundern sich warum. Sie hören die Worte, die etwas sagen und konzentrieren sich auf deren verbalen Inhalt. Gleichzeitig nehmen Sie (zumeist) unbewusst Körpersignale wahr. Wobei es sich manchmal nur um Nuancen bei der Körpersprache handelt: Nur eine kleine Zuckung um den Mund, ein Stirnrunzeln an der falschen Stelle, ein Wegdrehen im falschen Moment,… Obwohl diese Signale sehr fein sind und auch nur sehr kurz ablaufen, verraten sie oft mehr als all die Worte. Die Psychologie beweist: Körpersignale lassen sich sehr schlecht verstecken. Oder anders gesagt: Die Körpersprache lügt nicht!

Wenn der Körper etwas anderes ausdrückt als der Wortinhalt, löst das beim „Zuhörer“ ein diffuses Gefühl von Verwirrung aus. Zumeist nehmen wir dies gar nicht bewusst wahr. Oft reagieren wir aber (auch unbewusst) auf diesen verwirrenden Umstand. Es kann zu Missverständnissen, zu Kommunikationsstörungen kommen.

 

Ein Beispiel, das alle kennen

Jemand erzählt Ihnen eine Geschichte aus der Ausbildungszeit. Die Person wurde in der Ausbildung von einem bestimmten Ausbilder immer wieder ungerecht behandelt. Sie hören zu und denken sich: „Wie ist das möglich, dass du dich nicht gewehrt hast?“ Die Person erzählt weiter, das Szenario wird immer dramatischer. Doch die erzählende Person lächelt immer wieder während des Erzählens. Sie lacht nicht richtig, aber irgendwie doch. Das Ganze ist irgendwie irritierend. Sie denken unwillkürlich: Es wird wohl doch nicht so schlimm gewesen sein, wenn er noch lächelt. Oder vielleicht auch: Will er mich auf den Arm nehmen?

 

Gründe warum der Körper eine andere Sprache spricht

Es kann mehrere Gründe haben, dass der Körper etwas anderes sagt als die Worte.

Der einfachste ist, jemand möchte etwas verbergen. Vielleicht lügt mich das Gegenüber aus Höflichkeit an. Ein typisches Beispiel dazu: Jemand sagt „Ich freue mich dich zu sehen“ und verschränkt dabei die Arme vor dem Oberkörper und hält Distanz. Vielleicht will das Gegenüber aber auch einfach seine Gefühle nicht preisgeben. Sagt es gehe ihm gut und merkt nicht, wie seine Mimik und Körperhaltung was ganz anderes ausdrückt.

Ein anderer Grund kann eine falsche Selbstwahrnehmung sein: Ich nehme meine Gefühle nicht ernst, erzähle im Grunde das Gegenteil der Gefühle und belüge mich auf diese Weise selber. Menschen versuchen immer wieder auf diese Art unangenehme Gefühle (Wut, Angst, Trauer) zu verdrängen. „Schönreden“ könnte man das Umgangssprachlich nennen. Manchen gelingt es wirklich erstaunlich gut, sich selber zu belügen. – Manche Menschen belügen sich dabei selber besser als das Gegenüber, denn dieser kann die Emotionen teilweise der Körpersprache richtig ablesen.

Immer wieder werde ich von Paaren gefragt, ob es eine Möglichkeit gibt das ständige Streiten in der Beziehung zu reduzieren. Ja, die gibt es. Doch diese Möglichkeit sieht ein wenig anders aus als es die meisten Paare ​erwarten. Sie hat nichts mit Verbesserung der Kommunikation zu tun.

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Es können aber auch Schutzmechanismen sein, um schmerzvolle Erlebnisse nicht wahrzunehmen oder zu verdrängen (in der Fachsprache sprechen wir hier auch von Abwehrmechanismen).

 

 


Wie geht es dem Zuhörer?

Ich weiss nicht wie es Ihnen geht, aber mich irritiert eine solche Situation. Mal mehr, mal weniger, je nachdem wie stark sich die Botschaften zwischen Wort und Körper widersprechen. Es ist eine Verunsicherung und Ungewissheit, die sich da breit machen. Fragen tauchen auf:

 

  • Lügt mich mein Gesprächspartner / meine Gesprächspartnerin an?
  • Warum sagt er / sie mir nicht was los ist? Warum ist er / sie nicht ehrlich zu mir?
  • Was wird mir verheimlicht?
  • Hat mein Partner / meine Partnerin kein Vertrauen zu mir?

 

Auswirkungen

Wenn sich diese Unsicherheit nicht auflösen lässt, kommen beim Zuhörer nicht nur Unsicherheit sondern auch Gefühle wie Wut und Unzufriedenheit auf.

In der Beziehung können solche Unsicherheiten oft schwere Folgen haben. Das Vertrauen auf dem jede Beziehung aufbaut ist, wird angegriffen. Von Mal zu Mal wird die Distanz zwischen den Partnern ein Stück grösser. In manchen Fällen, vor allem wenn keine Klärung der Situation erfolgt, kann dies auch zu Eifersucht führen. Denn der Zuhörer merkt, dass etwas verheimlicht wird und sucht nach möglichen Gründen dafür. Diese Erklärungen sind dann manchmal aber weit von der eigentlichen Kommunikationsstörung entfernt.

 

Was kann ich tun?

Vertrauen Sie auf Ihr Gefühl! Wenn Sie das Gefühl haben, irgendwas stimmt nicht, achten Sie bewusst nicht nur auf den Inhalt der Worte sondern auch auf die Körpersignale.

Eine gute Möglichkeit ist, es direkt anzusprechen und mit Ihrem Partner / Ihrer Partnerin über Ihre Wahrnehmung zu sprechen und die Situation zu klären. Oft entwickeln sich daraus sehr interessante Gespräche, die helfen können Ihren Partner / Ihre Partnerin besser kennenzulernen. Dadurch das Vertrauen wieder aufbauen und stärken.

 

Ihr
Peter Michalik

Inspiration zu diesem Artikel bekam ich durch die Einladung zu Blog-Parade von Veronika Krytzner zum Thema “Zuhören”…


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